Hintergrund
Kreative Arbeitstechniken sind Hilfsmittel zur Entwicklung von Ideen und Lösung von Ideen. Das geht umso schneller, je ...
- effektiver eine Technik per se ist,
- präziser eine Technik dort zum Einsatz kommt, wo sie den meisten Erfolg verspricht
- konkreter Arbeitstechnik und zu lösendes Problem zueinander passen
- variabler der Einsatz durch die AnwenderInnen erfolgt - was auch bedeutet: je größer die kompetente Auswahl an Möglichkeiten ist
Kreative Arbeitstechniken
Bisherige Auflistungen kreativer Arbeitstechniken unterscheiden sich stark voneinander. Je nach Autor variieren die Anzahl der, als Kreativitätstechnik bezeichneten Formate zwischen 20 bis hin zu ca. 150 - in einem extremen Fall bis zu 3.000 (!) (in Worten: dreitausend). Die Zuordnung geht weit darüberhinaus und wird von jedem Autor, wenn überhaupt, anders gehandhabt. Und dabei ist es doch häufig erst die Zuordnung, die bestehenden Elementen eine Struktur gibt - und mit der Struktur eine Überschaubarkeit des Feldes und Nutzbarkeit der einzelnen Elemente mit sich bringt.
Kreativität führt zwar im Fahrwasser die Behauptung Vieler mit sich, dass sie keine Struktur habe - aber die Tatsache, dass die meisten Kreativitätstechniken eine eindeutige Systematik aufweisen, führt diese Behauptung an dieser Stelle ad absurdum. Und selbst die meisten der eingefleischten immer-noch-der-Links-Rechts-Hirn-Theorie/Legende-Anhängenden bekräftigen, dass es beider "Gehirnhälften" und ihrer Fähigkeiten, wie Phantasie UND SYstematik bedarf, um das kreative Potenzial wirklich auszureizen. Und unbestritten ist, zumindest im Bereich der "absichtlichen" (oder seriösen oder Business-) Kreativität, dass Kreativitätstechniken genau diese Systematik liefern, die dann der Phantasie oft (erst) gezielt auf die Sprünge hilft.
Ein kurzer Seitenschlenker
Ähnliches hat sich auch in anderen Feldern ereignet - allerdings schon vor langer Zeit. In der Chemie beispielsweise gab es auch lange Zeit "nur" die Elemente .... und keine Ordnung oder dergleichen. Bis die zwei Chemiker Mendelejew und Meyer (interessanter völlig unabhängig voneinander und doch nahezu gleichzeitig) daherkamen und Ordnung in das Chaos brachten.
Das Periodensystem chemischer Elemente vollbrachte, was viele nie für möglich hielten:
- Es schaffte eine Ordnung aller bis dato bekannten chemischen Elemente aufgrund bestimmter definierter Eigenschaften!
- Es ermöglichte das Auffinden eines Elementes für die Erfüllung einer bestimmten Herausforderung nicht durch langwierige Untersuchungen, sondern allein aufgrund seiner Zuordnung und Position in diesem System - und ersparte somit lange, zeitraubende und oft auch willkürliche Suchaktionen.
- Es ging noch einen Schritt weiter und sagte aufgrund von "Lücken" im System Elemente voraus, die zur damaligen Zeit noch gar nicht entdeckt waren - und die z.T. erst Jahre später dann auch tatsächlich entdeckt wurden.
Periodensystem der kreativen Arbeitstechniken
Was hat das alles mit Kreativität zu tun? Nun, ganz viel! Auch in der Kreativität existieren viele Einzelelemente (Kreativitätstechniken) - und auch sie unterliegen gewissen Ordnungsprinzipien! Was liegt da näher, als eine "Anleihe" zu machen bei einem "wesenfremden" Feld (der Chemie) und die dort gewonnenen Erkenntnisse zu übertragen. Mit der dahinterstehenden Frage: Wie lassen sich (zumindest) die bekannten Kreativitätstechniken sinnvoll ordnen und gruppieren?
Herausgekommen ist das Periodensystem kreativer Arbeitstechniken - Version 1.0. Die Arbeiten dazu begannen im Jahr 2003, eine erste Sammlung der wesentlichen Kreativitätstechniken, sortiert nach den 4 Grundphasen des kreativen Kreislaufs, war das Ergebnis.
Damit verfügen AnwenderInnen und Professionals über eine praktische Arbeitsgrundlage, die ...
- die wesentlichen bekannten Kreativtechniken gemäß ihrer Zugehörigkeit zu einer Phase des kreativen Kreislaufs zuordnet,
- ähnliche Techniken benachbart auflistet,
- Einzelpersonen und Teams anhand der Charakteristik einer Aufgabenstellung und der zeitlichen Position im Prozess einen Anhaltspunkt bietet, welche Techniken mit dem größtmöglichen Nutzen eingesetzt werden können.
Stand
Das Periodensystem kreativer Arbeitstechniken-Version 1.0 (Luther, 2005) finden Sie auf den Seiten von CreaJour, dem Onlineportal rund um kreative Ideenfindung.
Nicht von ungefähr, finden sich in der 2. Phase dieser Aufzählung, der Phase der IdeenGENERIERUNG (die für viele das klassische, eigentliche Feld der kreativen Arbeitstechniken darstellt), die meisten Techniken wieder. Es ist gerade diese Phase, die in unserer rational denkenden (Business-)Welt das größte Potenzial bereithält - und zugleich für viele Menschen die ungewohntesten Herausforderungen mit sich bringt. Spinnereien, sich auf ungewohntes Terrain begeben, Quantität vor Qualität, Alles erst einmal aufnehmen ohne zu kritisieren, nicht sofort "realistische" Maßstäbe anlegen - all das erfordert für viele Menschen, Teams und Unternehmen Überwindung. Eine gut gefüllte Auswahl an Techniken kann diesen "ersten Schritt in's Ungewiße" erleichtern und bietet für jeden Geschmack eine Vorgehensweise, die zu wirkungsvollen Erfolgen führt. Probieren Sie es aus - und lassen uns wissen, wie Sie damit zurechtgekommen sind.
Aktuell (Stand Dezember 2009) ist die weiterentwickelte Version 1.5 verfügbar, die eine weitere Feinunterteilung der 4 Hauptphasen des Ideenprozesses vornimmt.
Ausblick
Die Version 2.0 des Periodensystems ist bereits in der Entstehung; hier wird eine weitere Fein-Unterteilung der 4 Phasen vorgenommen und eine 2. und 3. Arbeitsdimension eingeführt. Bei Fragen dazu oder Interesse daran nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.
Weitere Informationen dazu finden Sie auch auf den Forschungsseiten.
© Köln 2005ff., Michael Luther
